Puttgarden: Spektakuläre Feuerwehr-Großübung auf dem Fährbahnhof

Ein abgelegener Ort nahe des Stellwerks im Bereich des Fährbahnhofs Puttgarden in den Abendstunden am Freitag: Direkt vor einer Regionalbahn liegen im Gleisbett verkeilt zwei Pkw. In den Fahrzeugen sind mehrere verletzte Personen eingeklemmt und rufen, ja schreien vor Schmerzen: “Holt uns hier raus”. In der Regionalbahn selbst befinden sich außerdem rund 20 bis 30 Personen, die selbstständig den verunglückten Zug nicht verlassen können. Sie sind eingeschlossen. Einige von ihnen sind ebenfalls verletzt. Auch sie wollen schnelle Hilfe und klopfen mit Händen und Fäusten an die Scheiben des Zuges, haben zum Teil durch entstehende Rauchentwicklung auch Probleme mit der Atmung. Am Unfallort selbst herrscht absolute Dunkelheit. Die ersten vor Ort eingetroffenen Rettungskräfte können zunächst nur beruhigend auf die Verunglückten einwirken. 

Die Übung wurde bis zur letzten Minute geheim gehalten. Nur Personen, die direkt an der Vorbereitung und der Ausarbeitung der umfangreichen Übungslage beteiligt waren, wurden eingeweiht. Und die sah folgendermaßen aus: eine aus Richtung Lübeck kommende Regionalbahn hatte beim Erreichen des Fährbahnhofs Puttgarden einen Zusammenprall mit gleich zwei Pkw an einem Bahnübergang. Beide Fahrzeuge wurden erfasst und unzählige Meter von der Bahn mitgeschleift. Unweit des Puttgardener Stellwerks kam der Zug zum Stehen. In den beiden Fahrzeugen befanden sich eingeklemmt und verletzte Personen. Durch den Aufprall selbst verletzen sich zudem mehrere der rund 20 bis 30 Zugreisenden. Der Zugführer konnte laut Übungslage unmittelbar nach dem Unfall Ereignis die Notfallleitstelle der deutschen Bahn in Hannover benachrichtigen.

Im Rahmen der Meldekette löste die Feuerwehrleitstelle in Bad Oldesloe Großalarm aus. Freiwillige Feuerwehren aus Bannesdorf, Puttgarden und Burg sowie aus Großenbrode und Heringsdorf fuhren zum Einsatzort. Rund 100 Feuerwehrkameraden mit über einem Dutzend Einsatzfahrzeugen kamen. Auch die Führungsgruppe der Gemeindewehrführung Fehmarn, Sanitätskräfte sowie der DB-Notfallmanager waren vor Ort. Als Beobachter wohnten Angehörige der in Puttgarden stationierten Bundespolizei der Übung bei. Die Einsatzverantwortung lag in den Händen der Gemeindewehrführung Fehmarn. Unzählige Statisten stellten sich zudem für die Übung zur Verfügung. Darunter auch Großenbrodes Bürgermeister Jens Reise (CDU) und der CDU-Landtagsabgeordnete Peer Knöfler.

Nach der ersten Lageeinschätzung hieß es für die eingesetzten Kräfte, die Personenrettung durchzuführen. Dies stellte sich sehr schwierig da. Der Unfallort befand sich in einem schwer zugänglichen Gelände. Es wurde von Einsatzkräften eine Schneise durch das Dickicht geschlagen und zwecks Ausleuchtung Scheinwerfer aufgestellt werden. Auch die angeforderte Drehleiter der Burger Feuerwehr wurde zum Ausleuchten des Unfallortes eingesetzt.

Selbstredend wurde die Bahnstrecke sofort gesperrt. Zum Einsatz kam dabei auch ein so genannter Rettungssatz Bahn, der für Bahnunfälle im Nordkreis Ostholsteins von der Heringsdorfer Wehr vorrätig gehalten wird. Diese Rettungsplattform kann auf die Schiene gesetzt werden und dient schließlich dem schnellen Transport von erforderlichen Rettungsmaterialien auf den Bahngleisen. Genutzt wird dieser fahrbare Untersatz auch für den Transport von verletzten Personen.

Besonders die Rettung einer sehr ungünstig eingeklemmten Person erwies sich als schwierig. Ihre Rettung, verkörpert durch einen Dummy, nahm längerer Zeit in Anspruch. Bei der Rettung dieser eingeklemmten Personen wurde ein hydraulischer Schweizer eingesetzt. Letztlich gelang es den Einsatzkräften, auch diese Person zu retten. Dabei wurde großen Wert darauf gelegt, dass durch die Rettungsaktion die verletzte Person nicht noch zusätzliche Verletzungen erlitt.

Wie Björn Wilder, Wehrführer in Meeschendorf vor Ort erklärte, kommt es bei der Alarmierung der Rettungskräfte ein spezieller Einsatzleitrechner in der regionalen Leitstelle zum Einsatz. Reichen die angeforderten Kräfte aufgrund der Lage vor Ort nicht aus, können Kräfte nachgefordert werden. Rund 90 Minuten nach der Alarmierung wurde die Übung beendet und im Burger Feuerwehrhaus erfolgte eine abschließende Manöverkritik. […]

Quelle: Fehmarnsches Tageblatt vom 06. November 2017

Artikel der Lübecker Nachrichten vom 06. November 2017