Wehrführer mit Ecken und Kanten geht

FEHMARN – Die schlechte Nachricht: Die Bannesdorfer Wehr hat keinen regulär gewählten Ortswehrführer. Die gute Nachricht: Die Bannesdorfer Wehr hat einen beauftragten Ortswehrführer. 

Dazu wurde Andreas Schacht von Gemeindewehrführer Volker Delfskamp im Rahmen der Jahreshauptversammlung der Bannesdorfer Wehr am Sonnabend bestellt, nachdem der bisherige Wehrführer Rolf Möller drei Jahre vor Beendigung seiner regulären Amtszeit zurückgetreten war. – Geplant von langer Hand.

Ein Rückzug mit Ansage. Bereits auf der Jahreshauptversammlung im vergangenen Jahr hatte Brandmeister Rolf Möller die Neuwahl der Wehrführung angekündigt. Bereits vor drei Jahren habe er das Amt des Wehrführers abgeben wollen. „Leider stand kein geeigneter Kandidat zur Verfügung“, erinnerte er sich in seinem letzten Jahresbericht am Sonnabend.

Diesmal sollte es nicht anders sein. Geeignete und willige Nachfolger in spe standen nicht gerade Schlange. Schwierig ohnehin schon der Spagat zwischen Beruf und Familie. Und dann ein Wehrführerposten, der immer mehr fordere. „Feuerwehrbedarfsplan, neues Brandschutzgesetz, Alarmierungsordnung mit Bereichsfolgen, EU-Führerscheine, Einführung des Digitalfunks, Sondervermögen der Kameradschaftskasse …“, Rolf Möller gab einen Einblick in den bürokratischen Aufwand, „der jeden Monat steigt und schon lange nichts mehr mit der eigentlichen Aufgabe einer Freiwilligen Feuerwehr zu tun hat. Und keiner unternimmt etwas gegen diesen Wahnsinn“.

Immer mehr Verwaltung, immer mehr Bürokratismus. Das hat für Möllers Geschmack nur noch wenig mit dem eigentlichen Auftrag „Retten, Löschen, Bergen, Schützen“ zu tun. „Ich bin in die Feuerwehr eingetreten, um in Not geratenen Menschen zu helfen, um das Feuer zu bekämpfen und aus Überzeugung etwas Gutes für mein Gewissen zu tun“, so Möller, der für sich die Entscheidung getroffen hatte, nach neun Jahren an der Spitze der Bannesdorfer Wehr nun aufzuhören. „Ich kann und will nicht mehr!“

1977 sei die Personalakte so groß wie eine Postkarte gewesen, heute umfasse sie zwei bis drei DIN-A4-Seiten. Bei Rolf Möller sind es übrigens vier Seiten. Keine Lehrgänge und Fortbildungen, die er in seiner 40-jährigen Zugehörigkeit zur Feuerwehr ausgelassen hätte. Vier Jahrzehnte „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ – so wurde sein Rückzug aus der Chefetage der Bannesdorfer Wehr gekrönt mit der Aushändigung des goldenen Brandschutz-Ehrenzeichens am Bande. 40 Jahre Mitglied in der Feuerwehr, davon 33 Jahre Vorstandsarbeit und 29 Jahre in führender Funktion – viele Redner fanden viele gute Worte über Rolf Möller und seinen neunjährigen Einsatz als Bannesdorfs Wehrführer, bevor ihn Bürgermeister Jörg Weber auf eigenen Wunsch vorzeitig aus dem Ehrenbeamtenverhältnis entließ und ihm entsprechende Entlassungsurkunde aushändigte.

Viel Zeit habe er seit 1997, seit er in die Bannesdorfer Wehr eingetreten war, in die Wehr gesteckt, so Hauptlöschmeister 3 Sterne An- dreas Schacht, der quasi kommissarisch für zwei Jahre als beauftragter Wehrführer tätig sein wird. Seit 2008 habe er als stellvertretender Wehrführer eng mit Rolf Möller gearbeitet: mal kontrovers, mal konstruktiv, mal hitzig, aber am Ende immer versöhnlich, bilanzierte Andreas Schacht – und letztendlich „immer nach vorne schauend und zu Gunsten der Wehr“.

Als „Wehrführer mit Ecken und Kanten“ beschrieb Burgs Wehrführer Friedrich Rathjen in seinem Grußwort die Eigenschaften des Wehrführers auf Abschiedstournee. Und das sei gut so. Eine Kugel rolle leichter, ein Quader hingegen sei schlechter zu bewegen. Auch Andreas Schacht habe Ecken und Kanten, und die werde er, wie Rolf Möller, zum Wohle der Wehr einsetzen, ist Friedrich Rathjen davon überzeugt, der am Sonnabend ebenfalls seinen Abschied ankündigte. Am 11. Februar werde er sich auf der eigenen Jahreshauptversammlung im Burger Feuerwehrhaus nicht mehr zur Verfügung stellen, ließ Friedrich Rathjen wissen.

Die Bannesdorfer Wehr ist einsatz- und handlungsfähig mit „Ersatzwehrführer“ Andreas Schacht an der Spitze. Gemeinsam mit den beiden am Sonnabend gewählten stellvertretenden Wehrführern Hauptfeuerwehrmann 2 Sterne Florian Nietmann und Oberfeuerwehrmann Tobias Herburg wird er die Geschicke der Bannesdorfer Wehr nun für zwei Jahre lenken.

Die neue Chefetage der Bannesdorfer Wehr: der beauftragte Wehrführer Andreas Schacht mit den beiden stellvertretenden Wehrführern Tobias Herburg (l.) und Florian Nietmann© Fehmarn24/Nicole Rochell

Andreas Schacht – in übergeordneten Feuerwehrkreisen vielleicht nicht unbedingt der absolute Wunschkandidat. Schacht hat seinen ersten Wohnsitz im Kreis Segeberg und wird an den Wochenenden ab freitagmittags auch künftig nicht vor Ort sein. Bereits seine Position als stellvertretender Wehrführer sei dahingehend bereits das ein oder andere Mal kritisch gesehen worden. – Aber besser das Modell des beauftragten Wehrführers, der von nun an mit zwei Stellvertretern arbeitet, als, im schlimmsten Fall, die Auflösung der Wehr.

Wie es die Freiwillige Feuerwehr Schulendorf, Gemeinde Scharbeutz, hat unlängst erleben müssen, die nach fast 76 Jahren geschlossen wurde. Mit „Der Florian Ostholstein 80-41-03 meldet sich und die Wache Ostholstein 80-06 aus dem Sprechfunkverkehrskreis ab“, endete Ende September vergangenen Jahres die Geschichte der Schulendorfer Wehr. Viele aktive Kameraden sind weggezogen, Schulendorf wurde kleiner und überaltert, sodass auch notwendiger Nachwuchs nicht mehr zu finden war. Und es gab kein neues Bauland, um junge Familien anzusiedeln.

Was kann die Verwaltung für die Ehrenamtler tun?

Für Andreas Schacht ein sehr wichtiger Aspekt. In einer Brandrede unter der Überschrift „Was kann die Verwaltung für die Ehrenamt- ler tun?“, appellierte er an die Adresse von Bürgermeister Jörg Weber und Bürgervorsteherin Brigitte Brill, entsprechende Bauplätze oder Baugrundstücke vorzuhalten. Nichts gegen den Hamburger, der auf Fehmarn seinen Zweitwohnsitz habe. Aber das sei nicht derjenige, der den blauen Rock trage. „Wir brauchen junge Leute und Plätze auf dem Dorf, wo sie sich niederlassen können“, machte Andreas Schacht unmissverständlich deutlich.

Die Bannesdorfer Wehr kam noch einmal mit einem blauen Auge davon. Ein bestellter Wehrführer und zwei neu gewählte stellvertretende Wehrführer – er hoffe, dass dieses Modell zukunftsfähig sei und die Bannesdorfer Wehr in zwei Jahren wieder mit einer gewählten Wehrführung aufwarten könne, so stellvertretender Kreiswehrführer Michael Hasselmann.

Quelle: fehmarn24.de