Grußwort der Stadt Fehmarn zum 50. Jubiläum der Fehmarnsundbrücke

Seit Jahrtausenden nutzen unzählige nordeuropäische Zugvögel die kürzeste Verbindung über die Insel Fehmarn, um ihre Winter- bzw. Sommerquartiere zu erreichen. Im frühen Mittelalter überquerten zahlreiche Pilger und Mönche über abenteuerliche Schiffsrouten die trennenden Gewässer und brachten das Christentum in den skandinavischen Raum. Bereits im 19. und frühen 20. Jahrhundert gab es konkrete Planungen zum Bau einer kombinierten Eisenbahn- und Straßenverbindung über die Insel Fehmarn von und nach Skandinavien. Unterbrochen von zwei Weltkriegen, konnte 1959 – mit einem Finanzvolumen von 42 Millionen DM – der Bau der auf der Vogelfluglinie liegenden Fehmarnsundbrücke in Angriff genommen werden.

Bürgermeister Otto Uwe Schmiedt

Bürgermeister Otto Uwe Schmiedt

Mit der feierlichen Eröffnung am 30. April 1963 brach auf der Insel Fehmarn und ebenso in Puttgarden, dem damals modernsten Fährhafen Europas, eine neue Ära an – eine Ära der kurzen Wege zwischen Skandinavien und Westeuropa. Denn nun war es nur noch ein »Katzensprung« über den Fehmarnbelt durch die neu eingerichtete, komfortable Fährverbindung.

Es machte und macht noch immer stolz, wenn der damalige Bundesbahnpräsident, Professor Dr. Oefterring, die Fehmarnsundbrücke als ein »technisches Wunderwerk« bezeichnete und sie einen »einmaligen Bau« nannte, der nur mit Hilfe der Elektronik berechnet werden konnte und ohne die Erkenntnisse aus Einsteins umwälzender Theorie von der Relativität der Kräfte nicht realisierbar gewesen wäre. Den Bundesverkehrsminister, Dr. Seebohm, beeindruckte besonders die Ästhetik des Bauwerks, denn, so Seebohm, »der Brückenbogen, der die weite Schifffahrtsöffnung trägt, ist von einem Schwung und einer Eleganz, die ihresgleichen sucht«.

Wir Insulaner bezeichneten den so beschriebenen Brückenneubau schlicht und einfach als den »größter Kleiderbügel der Welt«, ebnet er uns doch, meist problemlos, den Weg nach »Europa«, wie wir das Festland nennen. Heute stehen die Vogelfluglinie und die Fehmarnsundbrücke für gute und intensive Beziehungen zu unseren nördlichen Nachbarn. Vielseitige Kontakte und gemeinsame Veranstaltungen prägten während der letzten 50 Jahre das Leben in der Beltregion. Zeitgleich zum Jubiläum der Fehmarnsundbrücke feiert ebenso die Stadt Fehmarn, nach der Gemeindefusion im Jahr 2003, ihr 10-jähriges Bestehen.

Auch ein Ausblick in die Zukunft sei an dieser Stelle erlaubt: Im Bundesverkehrswegeplan wird eine zweite Sundquerung ins Auge gefasst, um die zu erwartenden Belastungszuwächse durch eine feste Beltquerung abfangen zu können. Vielleicht ein gutes Zeichen dafür, dass durch eine Entlastung unsere denkmalgeschützte Fehmarnsundbrücke ihre vorausgesagte Lebensdauer von 80 bis 100 Jahren mühelos erreichen und vielleicht sogar überschreiten wird. Denn ohne »Kleiderbügel« und »Vogelflug« würde Fehmarn etwas fehlen.

Mit freundlichen Grüßen

Otto-Uwe Schmiedt, Bürgermeister