Brisanz für Feuerwehr und Stadt

„Ich sehe im Feuerwehrbedarfsplan eine Brisanz für Feuerwehr und Stadt, die, glaube ich, keinem bewusst ist.“ Andreas Schacht, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Bannesdorf, stach im Rahmen jüngster Jahreshauptversammlung (wir berichteten) in ein Wespennest. Unter der Überschrift „Ehrenamt in der Feuerwehr und die Brisanz aus dem Feuerwehrbedarfsplan“ ging er auf gleichnamiges Papier ein, das derzeit erarbeitet wird. Doch bevor er „piekste“, führte er auf, wie schwer es dem Ehrenamt gemacht werde.

Die Anforderungen an Ehrenamtliche würden immer höher. Um beispielsweise überhaupt in die Wehr aufgenommen zu werden, müsse ein Kamerad innerhalb eines Jahres 70 Stunden Arbeitsdienst nachweislich erbringen. Nebenberuflich. Ehrenamtlich. „Da fragt man sich: Ist das alles notwendig ?“, so Andreas Schacht. Und was die schärferen Kontrollmaßnahmen und Aufgaben an die Atemschutzgeräteträger und -warte betreffe – auch nur angefasste und angesteckte Lungenautomaten müssten zum Reinigen und Desinfizieren zur Feuerwehrtechnischen Zentrale nach Lensahn – verursache das nicht nur Kosten, sondern raube auch Zeit. Freizeit. „Das kann man allein vom Ehrenamt nicht erwarten“, so Andreas Schacht und forderte Alternativen wie bereits diskutierte zentrale Sammelstellen oder Mitarbeiter des Bauhofs, die den Austausch über Lensahn vornehmen. Das war für Andreas Schacht nur das Intro, um auf den 168-seitigen Feuerwehrbedarfsplan – den Wehren vom Land an die Hand gegeben, um zu sehen, wo tatsächlich Bedarf entstanden ist – einzugehen. Der sei übrigens auch während des Ehrenamtes ausgearbeitet worden. Aufreger beinhaltete das Papier für Andreas Schacht jede Menge. Laut Satzung dürften Kameraden zwischen 16 und 67 Jahren den Feuerwehrdienst versehen. Der Feuerwehrbedarfsplan sehe eine andere Regelung vor. Ab 50 sei man dann nicht mehr aktives Mitglied, sondern Mitglied der Reserve und dürfe nicht mehr aktiv am Feuerwehrdienst teilnehmen. „Schwachmatenkram sag‘ ich“, so Andreas Schacht, denn immerhin sehe die Satzung einen aktiven Dienst bis 67 Jahre vor. Das Papier, das aus Kapiteln wie Sicherheitsbilanz, Einsatzmittel oder Hilfsfrist besteht, gibt Andreas Schacht bereits jetzt, in der Phase der Erarbeitung, zu denken. Beispielsweise sehe die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist vor, dass die Wehren innerhalb von acht Minuten jeden Ort ihres Einsatzgebietes erreichen. „Unser Ausrückgebiet beinhaltet den Campingplatz Klausdorf, den wir unter normalen Umständen zeitlich nicht erreichen können“, so Andreas Schacht. Die Hilfsfrist könne von keiner Feuerwehr erreicht werden. „Jede Feuerwehr hat Orte, die sie nicht erreicht, demnach müsste der Bestand an Feuerwehren aufgestockt werden. Mit den Folgen, die sich daraus ergeben: Einsatzkräfte, Fahrzeuge, Feuerwehrgerätehaus …“, so der stellvertretende Wehrführer der Bannesdorfer Wehr. Mit Ausnahme der Freiwilligen Feuerwehr Burg sei keine Wehr der Insel in der Lage, mit Einsatzkräften im Alter von dann 18 bis 50 Jahren mit einer Gruppenstärke von neun Kameraden am Einsatzort innerhalb der acht Minuten einzutreffen. Hier seien alle Wehren gefordert, nachzubessern. Aber, und das sagte Andreas Schacht auch: Bisher habe die Bannesdorfer Wehr jedes Feuer in der entsprechenden Frist gelöscht und es sei keiner zu Schaden gekommen, „der nur dadurch zu Schaden gekommen ist, weil wir nach neun Minuten da waren und nicht nach acht“, machte er auf der Jahreshauptversammlung am Sonnabend deutlich. Ein weiteres Kapitel im Feuerwehrbedarfsplan: die Handlungsmatrix der Gemeindewehrführung. Die müsste schließlich dazu führen, dass Arbeitsgruppen gegründet werden, um die Problematik, die sich daraus ergebe, abzustellen, so Schacht. Es müssten Konzepte erarbeitet werden, wie Einsatzkräfte aktiv in den Dienst der Feuerwehren herangezogen werden könnten – mit entsprechenden Vergünstigungen für Feuerwehrkameraden, ein weiteres Thema, das für Diskussionsstoff sorge. Zusammenfassend fragte sich Schacht, und schloss damit den Kreis: „Muss man das Ehrenamt so strapazieren mit Papiertigern, Grenzen und Gesetzen ? Ist das alles gerechtfertigt ?“ – Der stellvertretende Wehrführer erntete den Zuspruch der Kameraden, die bestätigend auf die Tische klopften.

Wenn der Feuerwehrbedarfsplan derart aufgearbeitet und so ein Aufwand betrieben werde, „dann müssen auch die entsprechenden Konsequenzen daraus erfolgen“, hatte Andreas Schacht noch gesagt.

Gemeindewehrführer Volker Delfskamp räumte ein, dass das Ehrenamt tatsächlich sehr gefordert werde, wies im Hinblick auf den Feuerwehrbedarfsplan jedoch darauf hin, dass der noch gar nicht fertig sei. „Deshalb sollte man die Worte von Andreas Schacht zwar im Hinterkopf behalten, aber ob es am Ende auch so aussehen wird, ist überhaupt noch nicht amtlich.“ Die von Andreas Schacht beschriebenen „roten Ampeln“ seien natürlich in vielen Bereichen da. „Es ist auch richtig, dass einige Ortschaften von einigen Wehren nicht in der Hilfsfrist erreicht werden“, stimmte Gemeindewehrführer Volker Delfskamp zu. Aber die Alarmierungspläne seien so geschrieben, dass es möglich sei, dort tätig zu werden, „sodass die Bevölkerung auf der Insel keine Angst haben muss, dass wir viel zu spät kommen. So ist es nun auch nicht“, so Volker Delfskamp. Stichwort Atemschutz und zentrale Sammelstelle. „Eine ganz brisante Geschichte“, so Delfskamp. Die Fahrten nach Lensahn seien in der Tat immer sehr kompliziert. „Wir liegen sehr weit weg, um das zu regeln“, so Delfskamp. Er sprach von einem „sehr ehrenamtlichen Aufwand“, da habe Andreas Schacht recht. „Wir haben schon mehrfach versucht, eine zentrale Kleiderkammer zu organisieren“, so Delfskamp, was gescheitert sei, „weil uns die Stadt keine Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnte.“ Und noch einmal: Der Feuerwehrbedarfsplan, der das Feuerwehrkonzept 2020, das fortgeschriebene Feuerwehrkonzept 2010, ersetzt, sei noch nicht fertig. Dann werde man sehen, wie man damit umgehe, um Fristen zu halten. „Denn wir müssen für Bürger Sicherheit gewährleisten, und das werden wir auch tun“, so Volker Delfskamp.

Quelle: fehmarn24.de